»Vier Tweets, ein Text und meine Medien«

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Folge fünf – mit Stefan.

warum-pirat-stefanMein Name ist Stefan, ich bin unabhängiger Wissenschaftler und seit dem Einzug der Piratenpartei in den saarländischen Landtag ein aktives Mitglied. Warum?

  1. Piraten sind meine neusten #Nachrichten
  2. Piraten sind mein privat #Fernsehen
  3. Piraten sind meine blind #Dates
  4. Piraten sind mein soziales #Netzwerk

Neuste #Nachrichten:

Vor etwa drei Jahren hat ein ARCHOS5, ein kleines Androidtablet, mein Nachrichtenleben ordentlich verändert. Bis dahin war ich treuer Deutschlandfunk-, –radio- und NDR4-Hörer. Mit dem Tablet konnte ich mir via RSS Sendemitschnitte weiterer Rundfunkanstalten auf das Gerät holen und egal wann hören, dazu kamen diverse Podcasts. Ein Strauß Medien, nach meinem Geschmack, ganz meine Nachrichten. Dann kam Twitter, das war zu Beginn noch recht müde, ich habe oft in die Trending-Topics geschaut, schauen müssen, weil in meiner Timeline selten was los war, zwar mehr als auf Facebook, trotzdem wenig.

Jetzt ist das ganz anders. Es gibt nur noch zwei RSS-Feeds die überlebt haben, der eine ist von idw-online, dem Informationsdienst der Wissenschaft und der andere ein Blogbündel zu Rostock, Radio ist ganz raus. Da ist nun Twitter und eine in drei Jahren höchst veredelte Timeline. In der Timeline sind gut die Hälfte Piraten, nicht weil ich es unbedingt so wollte, es hat sich so ergeben und sie posten! ganz fleißig zu Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, sie sind attraktiver als jede meiner RSS-Sammlungen, sie sind aktueller und hintergründiger als die Redaktionen, denen ich bisher gefolgt bin. Dafür schwärme ich.

Privat #Fernsehen

Die Piraten nutzen zur vorbereitenden Willensbildung die so genannten Mailinglisten, so sagen sie zu mindestens. Dass Politik auch und vor allem eine menschliche Herausforderung ist, wird hier deutlich, täglich. Ich lese von Aktionen, von ambitionierten Plänen, von Projekten und ihren Verläufen, von Erfolgen und vom Scheitern, aber auch #hörthört vom Hauen und Stechen, unzensiert, live, schwarz auf weiß. Bei meinen Tanten habe ich schon früher gerne in den Stars-, Sternchen- und Skandalblättern geschmökert.

So sind die Mailinglisten für mich zweierlei, zweckrational auf der einen und Echtzeit-Gossip auf der anderen Seite. Manchmal fühl ich mich an Scripted-Reality-Formate erinnert, skurril und gleichsam vertraut, komisch ist das. Und noch komischer ist es, wenn ich meine heimlichen Stars in echt, an einem Stammtisch, auf einem Kreis- oder Landesparteitag treffe und ich sie bei Wahlen in einen Vorstand oder eben nicht in einen Vorstand wählen kann. Das mag ich.

Blind #Dates

Ganz zu Beginn hat mir mein Stammtisch vor Ort geholfen, Gesichter zu einigen Nicks auf der Mailingliste und auf Twitter zuzuordnen, zuerst nur die Rostocker, aber immerhin. Bei denen, die mir auf meinem Stammtisch sympathisch waren, hab ich mir die Twitter Followings abgeschaut und in meine Timeline genommen. Nach etwa zwei, drei Monaten Twitter und Mailinglisten lesen, haben sich weitere Piraten aus meinem und anderen Kreisverbänden hervorgetan, die tolle, krasse oder vollkommen idiotische Dinge geschrieben haben. Weil mir die Gesichter fehlten, bin ich zu den Stammtischen im Land gefahren.

Ich finde es jedes Mal spannend und aufregend, wenn ich die Leute hinter den Posts kennenlerne. Ich hoffe, dass wird mir noch oft passieren. Irgendwann lerne ich Piraten kennen, von denen ich bisher nur auf Bundesebene oder in den Arbeitsgemeinschaften gelesen habe, die ich aber noch nie gehört oder gesehen hab. Sicher, ich würde einige von denen auch im Mumble oder Skype finden, das ist aber nicht mein Ding. Real-Life-Treffen, darauf freue ich mich.

Soziales #Netzwerk

Chaoten! Diesen Eindruck pflegen und hegen einige Journalisten, nicht nur zwischen den Zeilen. Gut möglich, dass die Piraten zusammengenommen und auf den ersten Blick nicht viel anspruchsvoller erscheinen als Privatfernsehen. Ich jedenfalls habe mich eingelebt und eingelesen und finde das Gesamtpaket prima, trotzdem und aus noch vielmehr weiteren Gründen. Nach nunmehr einem Jahr kenne ich meine Pappenheimer, Zeit für eine Abrechnung.

Auf Twitter folge ich aktuell etwa hundert Piraten, ebenso vielen, wenn nicht mehr, bin ich entfolgt, die waren nicht nach meinem Geschmack. In meinem Landesverband kenne ich um die fünfzig, wenn ich könnte, ich würde bei der Hälfte gern entfolgen, geht aber nicht. Eine Hand voll hab ich lieb gewonnen, so wie meine Schulfreunde und einige Arbeitskollegen. Es ist immer wieder schön mit ihnen…  …und den anderen.

Dass die Piraten eine politische Partei sind, stört mich nicht.

Das Titelfoto stammt im Original von Pedro Vezini und steht unter der Lizenz CC BY-SA 2.0. Das Foto von Stefan stammt ziemlich sicher auch von Stefan.

Ein Kommentar

  1. 1

    […] Die Piraten sind an den Medien gescheitert, so schreibt der Freitag. Sie sind eine internetaffine Partei, es hat sich rumgesprochen. Im Internet gibt es allerlei Informationen, seit Neustem steht hier auch das Neuste. Das Neuste finden und verteilen ist ganz klassisch der Job der Nachrichtenmacher. Doof, dass sich Piraten das Neuste auch selber suchen und verteilen. Ein Erfahrungsbericht. […]

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