»Sie schienen mir eine Vereinigung aus Notwehr zu sein«

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Folge acht – mit Klaus.

Obwohl ich immer als diskussionsfreudig und politisch interessiert galt, habe ich mich von Politik eigentlich eher ferngehalten. In den Nachrichten geht es in der Regel um einzelne Ereignisse oder Personen, während mich vor allem Grundsatzfragen und gesellschaftliche Systeme an sich bewegen. Wenn man glaubt, keinen Einfluss zu haben, ist das tagesaktuelle Geschehen frustrierend, deprimierend und beängstigend, und, wenn man nicht auf dem Laufenden bleibt, kontextlos und unverständlich. Dass ich einmal in einer Partei lande, hätte ich vor fünf Jahren nicht gedacht.

Beobachtet habe ich die Piraten allerdings fast von Anfang an. Sie schienen mir eine Vereinigung aus Notwehr zu sein, gegen hanebüchene Inkompetenz und Verfassungsfeindlichkeit der Regierung in Netz- und artverwandten Themen. Damals hätte es mir wohl genügt, wenn diese Themen und Kompetenzen von anderen Parteien aufgegriffen worden wären – ich hielt die Existenz der Piraten für Ausdruck politischer Unzufriedenheit und des Modernisierungsbedarfs des demokratischen Systems, aber nicht mehr. Mit der breiteren thematischen Aufstellung der folgenden Jahre wurde mir aber bald klar, dass sich hier eine ernstzunehmende Kraft gebildet hatte, die auch in anderen Bereichen viel zu sagen hatte, was ich unterstützenswert und wichtig fand. Ausschlaggebend für meinen Eintritt waren Forderungen nach menschenwürdiger Sozialpolitik, Trennung von Kirche und Staat, ein vorurteilsfreies Familienprogramm, eine nachvollzieh- und kontrollierbare Demokratie – alles Dinge, die ich für selbstverständlich halte, aber die in der Politik noch nicht wirklich angekommen sind. Ganz allgemein zeichnen sich die Piraten auch dadurch aus, ein gutes Gespür dafür zu haben, welche Daten der Staat erfassen, offenlegen oder schützen muss.

Während der parteipolitische Alltag erwartungsgemäß frustrierend, deprimierend und beängstigend ist, habe ich meinen Eintritt noch nicht bereut.

Das Titelfoto stammt im Original von Pedro Vezini und steht unter der Lizenz CC BY-SA 2.0.

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