Kommunalpiraten: Theaterfusion

Theater Stralsund

Thema bei den Kommunalpiraten:
Die Fusionierung der Theater Vorpommern GmbH mit der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg

Bis zum Jahre 2020 sollen die Theater Vorpommerns 5,8 Millionen Euro Defizit erwirtschaften. Da das Land Mecklenburg-Vorpommern seinen Jahreszuschuss von rund 36 Millionen Euro nicht erhöhen will (ist gedeckelt bis 2020), gab der Kultusminister des Landes, Mathias Brodkorb, ein Gutachten in Auftrag. Erstellt hat dieses Gutachten, auf dessen Grundlage die Bürgerschaften der betroffenen Städte über die Zukunft ihrer Theater entscheiden sollen, die bayrische Firma Metrum.

Das Theater Vorpommern ist bereits schon heute eine Fusion der Theater Greifswald, Stralsund und Putbus, die bis zum Jahre 2020 ca. 2,7 Millionen Euro Defizit einfahren sollen. Die Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg ist ebenso bereits ein Zusammenschluss der beiden Orchester aus Neustrelitz und Neubrandenburg, die laut Gutachten bis 2020 circa 3,1 Millionen Euro Verlust erwirtschaften werden. Im Zuge der Fusion soll die Vorpommersche Landesbühne in Anklam hauptsächlich zur Ausbildungsstätte für Schauspieler werden.
Die Firma Metrum untersuchte die personelle Ausstattung und den Zustand der Gebäude und kam unter dem Aspekt der Nachfrage und den besonderen Stärken der einzelnen Häuser zu folgenden Resultaten:

1. Alle Sparten und Spielorte sollen zu einem einzigen Theater fusioniert werden.
2. Je Standort soll eine produzierende Sparte verbleiben, die an allen beteiligten Spielorten in Vorpommern aufgeführt und von jeweils einem Direktor geleitet wird.

* HGW (Schauspiele, Ballett)
* HST (Opern)
* NB (Konzerte)
* NST (Opern/Musicals/Operetten)

3. Es wird eine gemeinsame Geschäftsführung und Verwaltung etabliert.
4. Werkstätten und Fundus sollen an einem zentralen Ort gelagert werden (Metrum empfiehlt den Marstall bei Neustrelitz)
5. Jedes Theater stellt alles für seine Sparte (Inszenierung, Technik, Bühnenbild, Personal) bereit.
6. Das Einsparziel kann nur durch Fusion und Reduktion des Personalaufwandes erreicht werden. Laut Gutachten soll eine Einsparung im Materialbereich (circa 1,8 Millionen Euro) nicht ausreichen.
Der Stellenabbau würde 102 Angestellte betreffen, sodass das fusionierte Theater von ehemals 485 auf 383 Stellen reduziert werden soll. Die Fusion wird zum Jahre 2016 angestrebt, da in diesem Jahr die Haustarifverträge mit den Schauspielern und Musikern auslaufen. 61 Stellen sollen so durch Nichtwiederbesetzung bei Renteneintritt abgebaut werden. Die restlichen 41 Arbeitsplätze sollen durch sozialverträgliche Kündigungen reduziert werden. Der Stellenabbau soll sowohl beim Spartenpersonal (Leitung, Orchester, Chor, Schauspiel) als auch beim Verwaltungs-, Technik-, Werkstatt-, Kostüm- und Maskepersonal erfolgen.
Unsere Positionen:
Robert Schuldt (Neubrandenburg)

»Ich halte es für gewagt, dass ein Gutachten von jenseits des Weiswurstäquators die Probleme hier in M-V lösen kann. Die Struktur des Landes, die Entfernungen zwischen den Orten und die (fehlende bis schlechte) Infrastruktur sind nicht zu unterschätzen. Wenn (zwei) Orchester zusammen spielen sollen, müssen sie zusammen üben. Die Fahrtkosten alleine werden einen Großteil der Einsparungen auffressen und die Musiker viel Zeit auf Straßen oder in der Bahn verbringen, statt zu musizieren. Das kann, ich vermute sogar, das wird der Qualität nicht zuträglich sein. (Und wenn METRUM Neustrelitz für einen zentralen Ort für Werkstätten und Fundus hält, sehe ich mich in meinem ersten Satz durchaus bestätigt.)«

Petra Dörwald (Greifswald)

»Meine Haltung einer Fusion gegenüber ist nicht grundsätzlich negativ, jedoch sollte vorerst geprüft werden, ob in anderen Bereichen außerhalb des Personalaufwandes vermeidbare Defizite vorhanden sind. Wenn die Tradition des Theaters erhalten bleiben soll, sollten wir überlegen wie es dem Wandel der Zeit angepasst werden kann (nicht inhaltlich), um für die Menschen neben all den anderen Unterhaltungsmöglichkeiten attraktiv zu bleiben.«

Milos Rodatos (Greifswald)

»Die Fusionpläne der einzelnen Theaterstandorte in Vorpommern ist eine Absage an den Erhalt von jahrzehnter langer Kulturtradition und ein Armutszeugnis des Kultusministers. Das Gutachten zeigt lediglich Einsparmaßnahmen auf dem Papier, die sich in der praktischen Anwendung als große Nebelkerze erweisen werden. Wir brauchen einen Umbruch innerhalb der Theaterlandschaft, vor allem in Vorpommern. Dies sollte aber zwischen beiden Landesteilen, Mecklenburg und Vorpommern, stattfinden und nicht dem Irrglauben eines universalen Spardikates folgen. Die drastische Haushaltslage der beteiligten Kommunen muss das Land zum Anlass nehmen, um sich verstärkt für eine vielfältige Kulturlandschaft in Vorpommern einzusetzen. Hierzu zählt als wichtiges Fundament die verschiedenen Theater mit einzelnen Sparten.«

Martin Banduch (Vorpommern-Greifswald)

»Für mich ist die Frage interessant, inwieweit das klassische Theater noch eine förderungswürdige Kulturform ist. Fernsehsendungen, oder das Angebot im Netz beeinflussen wesentlich mehr Menschen wesentlich intensiver, als jede Form des klassischen Theaters.
Eine weitere Frage ist, wenn man sich zwischen der Greif, dem Theater, dem Volkstadion oder tollen Radwegen entscheiden muss, wie findet man hier die richtige Priorität.«

Veranstaltungshinweis:
Am 18.08.2014 lädt die Greifswalder Bürgerschaft um 18 Uhr alle Interessierten und Beteiligten in den Kaisersaal des Greifswalder Theaters ein. Mit dabei sind u.a. die Firma Metrum, welche das Gutachten zur Fusion erstellt hat, und Mitglieder der Stralsunder Bürgerschaft.

Das Foto ist von William Gibson Kiel und steht unter der Lizenz CC BY-NC 2.0.

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